Museen in Neustadt an der Orla

Was für eine Facette von Kunst und Kultur liegt dir besonders am Herzen?

Besonders wichtig ist mir, dass Kunst und Kultur – in den vielen Nuancen in denen sie sich in unserer Region präsentieren – inklusiv, offen und partizipativ sind. Ich glaube, dass der Zugang zu kulturellen Einrichtungen besonders jungen Menschen so einfach wie möglich gemacht werden sollte.

Als Kulturhistoriker und Kulturanthropologe interessieren mich besonders Aspekte der Alltagskultur, auch – und besonders – in ihren historischen Dimensionen. Als Kultur konstituiert sich all jenes, was Menschen schaffen: nicht nur die Bilder, die wir malen, die Konzerte, die wir spielen, oder die Gedichte die wir schreiben, sondern auch die Dinge die wir essen, die Feste die wir feiern, die Gebäude, die wir errichten.

Wenn wir beginnen, die tätige Auseinandersetzung mit der Welt im Kleinen und im Großen als Kultur wahrzunehmen, glaube ich, dass das zum Verständnis für unsere Mitmenschen zum einen, aber zum anderen auch zur Aufwertung des Wirkens des oder der Einzelnen, ganz egal wie dieses im Detail aussieht, führt.

Wie trägst du zum kulturellen Leben vor Ort bei? Erzähle uns von deiner Arbeit und Tätigkeit.

In Neustadt an der Orla bin ich Mitarbeiter im Fachdienst Kultur und dort Verantwortlich für Museen und kulturelle Bildung. Dabei bin ich in der Kuratierung von Ausstellungen genauso tätig wie in der Ausgestaltung der Museumspädagogik in den beiden Museen der Stadt Neustadt an der Orla, also dem begehbaren Schaudenkmal Lutherhaus und dem Museum für Stadtgeschichte.

Ich bin im Rahmen eines anthropologischen Kulturbegriffs natürlich Kulturschaffender, viel lieber bezeichne ich mich aber als Vermittler: Vermittler von (kultur)historischen, zeitgeschichtlichen und künstlerischen Inhalten im Rahmen von Ausstellungen, Führungen und Veranstaltungen innerhalb der Museen. Meine Begeisterung für Kulturgeschichte und das Tun der Menschen früher und heute versuche ich dabei in meine Arbeit einfließen zu lassen. Es ist mir wichtig, dass Besucherinnen und Besucher unserer Häuser – seien es Schulklassen, Jugendgruppen oder Touristen – die Museen mit dem Gefühl verlassen, etwas Neues und Besonderes erlebt zu haben und damit angeregt sind, wiederzukommen, um mehr über die Geschichte der Stadt, über die Neustädter Künstler oder andere Ausstellungsbereiche zu erfahren.

Gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen versuche ich jährlich mehrere Sonderausstellungen vorzubereiten und zu kuratieren. Im Sommer 2025 konnten wir mit der Ausstellung „kunst.“ im Museum für Stadtgeschichte ein Format etablieren, dass, so horizontal wie möglich, Kunstschaffende an einer Neustädter Schule, sowie etablierte regionale Künstlerinnen und Künstler zusammenbrachte. Eine Präsentationsform, die, ohne Hierarchien, Altbewährtes und Neues in einem Raum vereinte, war das Resultat.

Im Frühjahr 2025 konnten wir mit „Auf Lanzen gespießt – 500 Jahre Bauernkriegsgeschehen an der Orla“ und im Herbst 2025 mit „Neustädter Medizingeschichte(n) im 20. Jahrhundert“ zwei Ausstellungen inaugurieren, die sich mit ganz unterschiedlichen Facetten der Stadtgeschichte auseinandersetzen: dabei liefert die eine, auf Basis frühneuzeitlicher Quellenkonvolute und einer multimedialen Präsentation, einen spannenden Blick in die Geschehnisse rund um den „Neustädter Fischzug“ , während die andere mit einem Fokus auf dem Neustädter Krankenhaus und den Polikliniken während der DDR-Zeit mit viel Bildmaterial und einer Hörstation Neustädterinnen, Neustädtern und Besuchern eine Erinnerungsreise durch einstige Gesundheitsinstitutionen der Stadt bietet.

Über diese öffentlichkeitswirksamen Aspekte der Museumsarbeit hinaus besteht ein Teil meiner Arbeit auch in der Betreuung der Historischen Sammlungen der Stadt Neustadt an der Orla und dem Sammeln und Bewahren musealer Objekte.

Für die Museen und meine Tätigkeit ist die Arbeit unserer Ehrenamtlichen besonders wertvoll und unabdinglich. An den Wochenenden deckt die „Museumsgruppe“ im Museum für Stadtgeschichte die Öffnungszeiten ab, empfängt die Besucherinnen und Besucher im Haus und hilft darüber hinaus bei den Vorbereitungen für Ausstellungen.

Die „Jünger der Schwarzen Kunst“, eine Gruppe Ehrenamtlicher in der Schaudruckerei im Museum für Stadtgeschichte, stellt den Besucherinnen und Besuchern des Museums immer am dritten Donnerstag im Monat historische Druckkunst vor und führt zusätzlich auch museumspädagogische Programme durch.

Daneben engagiert sich das Team des „Lutherhaus-Cafés“ in den Sommermonaten dafür, unseren Gästen, Museumsbesucherinnen und Museumsbesuchern, neben dem kulturellen Programm ebenso Kulinarisches zu bieten.

Wie stellst du dir eine miteinander vernetzte Kultur in Saale-Orla vor?

Ganz besonders wichtig sind in einer vernetzten Kulturregion für mich „offene Ohren“ für neue Ideen und Perspektiven, sowohl von Künstlerinnen und Künstlern, Kulturschaffenden, Verwaltenden und Institutionen, und der Wille, entweder gemeinsame Projekte zu realisieren, oder sich gegenseitig bei Projekten unter die Arme zu greifen, damit Strukturen entstehen können, die für alle zugänglich sind.

Ganz integral dafür ist, meiner Meinung nach, die Einbindung verschiedenster Bildungsinstitutionen in die Arbeit der Kulturinstitutionen in der Region – im Bereich Museum bedeutet das ganz konkret: Räume schaffen, die den bestehenden Geschichtsunterricht, Kunstunterricht, Ethikunterricht oder die außerschulische Jugendarbeit sinnvoll ergänzen – denn nur so können Kontinuitäten entstehen, in denen kulturelle Bildung ein Bestandteil im Werden vieler junger Menschen ist.

Annett Richter und Christoph Müller, Fachdienst Kultur, Neustadt an der Orla, 24. November 2025. Foto: Steffen Walther 1
Christoph Müller, Fachdienst Kultur, Neustadt an der Orla, 24. November 2025. Foto: Steffen Walther 2

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