Für Bionda Börner, Leiterin, und Gisa Kurtz, Mitarbeiterin im Kulturamt Bad Lobenstein, steht Kultur im ländlichen Raum im Zentrum des gesellschaftlichen Lebens: Sie soll für alle Generationen zugänglich sein, Tradition und Innovation verbinden und Gemeinschaft stiften. Sie haben uns ins Neue Schloss eingeladen.
Was für eine Facette von Kunst und Kultur liegt euch besonders am Herzen?
Uns ist wichtig, dass Kunst und Kultur im ländlichen Raum nicht nur eine ergänzende
Rolle, sondern einen zentralen Platz im gesellschaftlichen Leben einnehmen. Kultur
soll für alle Generationen zugänglich sein und Räume schaffen, in denen Tradition,
Bräuche, Volkskultur und Kunst im öffentlichen Raum ebenso lebendig bleiben wie
neue, kreative Ausdrucksformen.Kultur schafft besondere Erlebnisse und Erinnerungen, die das Leben lebenswert
machen. Sie ist kein Nebenprodukt, sondern der Kern unseres Seins – eine Quelle der
Inspiration, der Freude und der Verbundenheit. Durch kulturelle Begegnungen
entstehen zwischenmenschliche Verbindungen, die Gemeinschaft stärken und den
Alltag bereichern.Kulturelle Momente sind die Highlights, an die man sich erinnert – Augenblicke, die
bleiben, die verbinden und das Gefühl geben, Teil von etwas Größerem zu sein.
Deshalb möchten wir Kultur nicht nur bewahren, sondern aktiv gestalten, damit sie
lebendig bleibt und auch künftig Raum für Neues, Echtes und Berührendes bietet.
Wie tragt ihr als Hauptamtliche zum kulturellen Leben vor Ort bei? Erzählt uns von eurer Arbeit und Tätigkeit.
Unsere Arbeit ist sehr vielseitig und umfasst ein breites kulturelles Spektrum. Wir
organisieren ein Ganzjahresprogramm mit zahlreichen Veranstaltungen und
Ausstellungen, die das kulturelle Leben in Bad Lobenstein bereichern. Dazu gehören
unter anderem die Schlosskonzertreihe, Kurkonzerte, der Tag der Vereine, das traditionelle Marktfest, die Gewerbe- und Ausbildungsschau, die Schlosspark-Festspiele, der Kunsthandwerkermarkt sowie der Bad Lobensteiner Weihnachtszauber.Darüber hinaus präsentieren wir jährlich mehrere Wechselausstellungen mit
regionalen und überregionalen Künstlerinnen und Künstlern und bieten damit eine
Plattform für vielfältige kreative Ausdrucksformen.Ein weiterer wichtiger Teil unserer Arbeit ist die Unterstützung regionaler Veranstalter
und Initiativen. Wir helfen dabei, kulturelle Ideen und Projekte in Bad Lobenstein zu
verwirklichen – sei es durch organisatorische Begleitung, Kooperationen oder die
Bereitstellung von Ausstellungs- oder Veranstaltungsräumen. So entstehen immer wieder neue Formate und Erlebnisse, die das Gemeinschaftsgefühl stärken und Kultur für alle erlebbar machen.Wir verstehen uns als offenes Haus für Kultur: Jede und jeder mit einer guten Idee ist
willkommen, sich einzubringen und gemeinsam mit uns das kulturelle Leben vor Ort
zu gestalten.

Warum und mit welcher Kunst- und Kulturaktion seid ihr beim Themenjahr „WasserKunst“ dabei?
Als staatlich anerkanntes Moorheilbad mit dem einzigen Thermalbad – die Ardesia-
Therme im Saale-Orla-Kreis sehen wir eine sehr enge Verbindung zum Themenjahr „WasserKunst“. Deshalb haben wir Förderanträge für einen musikalischen
Brunnenrundgang sowie Kurkonzerte im Moorheilbad Bad Lobenstein gestellt.Wasser ist ein lebensnotwendiges Elixier und macht das Leben erst möglich. Kein
Wunder, dass Wasser auch Teil unserer Kunst und Kultur ist. Die Kurkonzerte in Bad
Lobenstein von Mai bis August sind ein wichtiger kultureller Bestandteil und stehen
immer eng in Verbindung mit Wasser. Sie finden vor der Ardesia-Therme statt, dem
Thermalbad der Kurstadt.Ein Aufenthalt im Thermalwasser trägt dazu bei, ganzheitlich die eigene Gesundheit zu fördern, stress zu reduzieren und sich zu entspannen, das macht auch die Musik. Mit dem Kunstobjekt „Wassersäulen“ des Metallkünstlers Gilbhard Leuschner in
unmittelbarer Nähe schließt sich der Kreis „Wasser – Kunst – Kultur“.Die Besucher des musikalischen Brunnenrundgangs werden an ausgewählten
Brunnenstationen durch fachkundige Erzähler über die Geschichte, Bedeutung und
Besonderheiten der jeweiligen Brunnen informiert. Dabei wird nicht nur gesprochen,
sondern auch gelauscht: Der Klang des Wassers wird auf poetische Weise musikalisch
interpretiert – live vorgetragen von Schülern und Lehrkräften der Musikschule Bad
Lobenstein.Diese musikalischen Beiträge sind bewusst als eigenständige künstlerische
Interventionen konzipiert und bilden einen wesentlichen Bestandteil des
Gesamterlebnisses. Sie schaffen eine Verbindung zwischen Natur, Geschichte und
Kunst – im Einklang mit dem Leitmotiv von WasserKunst 2026.
Wie stellt ihr euch eine miteinander vernetzte Kultur in Saale-Orla vor?
Eine miteinander vernetzte Kultur in Saale-Orla sollte auf Austausch und Zusammenarbeit auf allen Ebenen setzen – zwischen Künstlern, Gewerbetreibenden,
Verwaltungen und Initiativen. Dabei ist es wichtig, dass dieser Austausch unkompliziert, zielgerichtet und auf Augenhöhe erfolgt. Nur so können wir eine Kultur schaffen, die sich dynamisch weiterentwickelt und gleichzeitig fest in der Region
verwurzelt ist.Für uns bedeutet Vernetzung nicht nur, Projekte zu realisieren, sondern auch,
gemeinsam an großen Themen zu arbeiten – sei es in der Kultur, im Tourismus oder in
der Stadtentwicklung. Indem wir unsere regionalen Besonderheiten einfließen lassen
und groß denken, können wir die Einzigartigkeit unserer Region sichtbar machen und
ein starkes kulturelles Angebot aufbauen, das sowohl für die lokale Gemeinschaft als
auch für Besucher anziehend ist.Wir möchten eine Kultur schaffen, die offen, einladend und kooperativ ist. Die
Zusammenarbeit sollte flexibel und direkt erfolgen, sodass jeder Beteiligte sich aktiv
einbringen und auch seine eigenen Ideen in die gemeinsame Gestaltung
einfließen lassen kann. Nur so können wir Veränderungen anstoßen und etwas nachhaltig bewegen – als starke, kreative und vereinte Gemeinschaft.
